Siemensstadt, Berlin (West)

Häuser in Reihe, dem Licht zugewandt mit ihrem rundlichen Gesicht und doch auf die eigene Kehrseite gerichtet. Den Blick über reichlich auslaufende Rasenflächen, obselbst die Jungfernheide mit ihrer waldlichen Erfrischung und dem See zur Abkühlung in Rufweite liegt. Erfrischend für den Betrachter zuvorderst ist jedoch: Hier wurde noch im Gedanken an die Bewohner entworfen und umgesetzt, nicht ausschließlich zum Gustus des Investors.

Siemensstadt, Berlin-Spandau / -Charlottenburg.

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Ausgerechnet Freitag, der 13.

Nein, nicht heute. Am 6. des Monats. So fahrend durch die Nacht, mehr wartend, auf die BVG.

Wir kommen vermutlich, fast sicher, von unterschiedlichen Orten, und haben, fast sicher, das gleiche Ziel: Zu Hause.

Des Nachts an der Landsberger Allee. Nur die Richtung, die ist verschieden. Ob der Ausgangspunkt gleich ist, wer weiß ?

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Rita Maria (Portugal), Carlos Bica (Portugal, Berlin), Elias Meister (N.Y.C., USA), Hanno Stick (Berlin) am 6.7.12 im Alten Finanzamt, Berlin (Neukölln)

Langsam, leise, zurückhaltend, so zumindest der Beginn. Dass nun aber gerade nicht die Jazz-Standards in den Vordergrund drängen, ist nach wenigen Takten erkennbar klar. Vielmehr ist es ein vorsichtiges, leichtes und leises herantasten einer gut abgestimmten, klar kommunizierenden und musikalisch harmonierenden Ensemble-Besetzung an ein, für mein Empfinden zunächst fürchterlich ernstes, erwartungsstarkes, aber in der altersbedingt zu erwartenden eigenen Unsicherheit verharrenden Publikums, das es zu gewinnen gilt, und das auch gewonnen wurde. Gerade Carlos Bica, der zusammen mit Elias Meister die Erfahrenheit im Umgang mit atmosphärischen Umgebungen souverän zeigte, stellte alleine durch sein unheimlich lockeres und doch konzentriertes Auftreten sicher, dass die (nicht vorhandene) Bühne der Band einen Mittelpunkt gab, aber im genau passenden Anteil der Person und Stimme Rita Marias die Grundlage, die die Herzen der ca. 60 im kleinen Kellerraum des Alten Finanzamtes in Berlin-Neukölln nicht erst dann gewann, als Songstruktur und Improvisation so verschmolzen als wäre nun nicht mehr die Struktur vorherrschend, und den Freiraum gab, spätestens als Gesangslinie und der im schwebenden Sound (im übrigen durch eine länger nicht mehr gesehene Ansammlung von Boss- und anderen Tretminen gestaltet) sich zum Wechselspiel und Duett trafen, die kleine Barriere zu den direkt zu Füssen der Band sitzenden jungen Leuten gebrochen wurde, die nicht nur zur portugiesische Community in Berlin gehörten, wenn auch das Gefühl eines Insider-Gigs im überhitzten Keller schwebte. Es folgten Songs mit klarer Konstruktion und bestimmter Freiheit, mit Eigenleben durch die v.a. von den Autoren Meister und Bica eingebrachten (Lebens-)Erfahrungen und die immer mutiger werdende, auch immer freier und zugleich fast eruptive und hierdurch freier werdende Stimme und Führung Rita Marias, die das ganze Spiel des Ensembles letztendlich zu einem wunderschönen, sehr entspannten Ganzen werden liesen. Und auch wenn die musikalische Heimat der Beteiligten hör- und fühlbar war, so zu einem wahren Hörerlebnis verschmolzen, so gab es doch keine musikalische Einschränkung hierdurch, sondern die Basis einer Freiheit, die nicht oft hörbar und fühlbar wird und ganz und gar nichts mit erkennbar absichtlichen Fusion-Konzepten zu tun hat. Danke für diesen schönen Abend.

Wer die Möglichkeit hat, Rita Maria, Carlos Bica und die anderen Beteiligten live erleben zu können: Hingehen. Hat mit Jazz auch nur am Rande zu tun. Auch für mich gilt: Man hört sich.

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Carlos Bica (cb.), Hanno Stick (perc.), Rita Maria (voc.), Elias Meister (git.)

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Carlos Bica

Strassenträumer

So war der Sixties-Traum gedacht in den Suburbs der Molochs der industriellen Revolution, recht britisch, doch zum Lebensgefühl geworden, zumindest für diejenigen, die aus dem tristen Grau der Armut ins Grüne ausbrechen konnten. Mit ihrem Baby, am Steuer.

Nun hat das Grau der Städte längst seinen Widerhall im Grau des Asphalts gefunden, der längst keinen Platz mehr bietet für das Auto, das an den Rand gedrängt seine Symbolik verlor. Nein das Baby hat gesiegt, im Arm der Prenzlauer-Bergischen Elterngilde, das Freiheit verheißende car ist zum Kinderwagen geworden, der Raum der Strassen gehört längst denen, deren Eltern bereits in den tristen Sixties den Versprechungen in die eigene Zukunft entflohen sind.

Baby, you can drive my car.

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Des Nachts in Berlin

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So wir gehen den täglichen Weg über die Schlucht der Ringbahn- und der Fernbahngleise, deren Ränder an Häuserwänden abgeschnitten sind wie mit dem Skalpell, die D. entlang, und hoppla, ein Gefährt, schnell wie Spiderman und leicht zu knacken, begleitet unseren Weg.

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Doch die Liebe ist in der Nacht, so küssen selbst die Ampeln der B. die Passanten.

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Doch die, bei Tageslicht betrachtet und in Stein gemeißelt, leuchtet den Weg mit dem Lichterkranz.

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Portugal in Berlin

Alfred Ehrhardt-Stiftung, Berlin, Auguststraße. Fotographien in schwarz-weiß, in einer klaren, aber nicht einfachen Bildsprache. Portugal 1951, die Fotographien eines Filmemachers mit dem Auge des abschließenden Beobachters, der dokumentarisch festhält und Fragen aufwirft. Zumindest für den heutigen Betrachter dürften dies jedoch andere sein, als die Fragen, die Ehrhardt im Kopf hatte. Frage ich mich doch heute, wie der – offenbar recht kleine – Ort heisst, der oberhalb und unterhalb einer Klippe am Meer liegt, und in dessen Steilwand eine Standseilbahn mit mittigen Ausweichgleis gebaut ist.
In ähnlicher Sprache der Film. Heute als folkloristisch mit mitteleuropäischer Überheblichkeit rüberkommend, in den 50er ein Blickfenster in eine so nicht gekannte, weil nur für wenige wahrnehmbare Welt. So wie man sieht, wie sich das Land als Subjekt verändert hat, so hat man sich selbst als Betrachter von den damaligen Rezipienten abgesetzt.

Für alle Portugal- und Photographie-Liebhaber eine klare dringende Empfehlung.

Alfred Ehrhardt-Stiftung, Berlin.

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Blick durch’s Fenster am Tränenpalast

An der Stelle, die einmal der Durchgang nach der ‚Grenzkontrolle‘ im Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße gewesen ist, Richtung Westen, für manch einen ohne Rückkehr, nun ein Blick hinein, also zurück.

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Rush hour. Abendstimmung in Erbil.

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Rush hour am Basar unterhalb der Zitadelle. Das Nationalitätenkennzeichen stimmt wohl nicht mehr ganz.

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Abendstimmung.

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Restaurant am Fuße der Zitadelle.

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Blick über den zentralen Platz, den Basar. Rechts der ‚alte‘ Basar, links v.a. Lebensmittel, Baubedarf und Haushaltsgegenstände, in der Mitte die modernere Form als Einkaufszentrum.

Ainkawa

Ainkawa. Reiseproviant einkaufen.

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Straße in Ainkawa. Rohbauten, auch leerstehende fertige Gebäude, gibt es in großer Zahl.

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Typischer Park mit Kinderbelustigung im Zentrum von Ainkawa.

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Super stylisch.

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Die Ausfallstraße Richtung Erbil City. Auch der Klotz rechts steht leer, rundherum ist ein Brachgrundstück. Sieht aus wie fertiggebaut, ohne dass ein Nutzer in Sicht wäre. Da sich in beiden Richtungen Hotelviertel anschließen, Richtung Ainkawa z.B. das Noble Hotel gleich links in der Querstraße, Richtung Erbil eine ganze Reihe neugebauter Hotels mit augenscheinlich niedrigerem Standard, wird auch das vermutlich ein 5-Sterne-Haus, wenn sich ein Betreiber findet. Die Hotelsterne sind übrigens Landeskategorien und nicht unbedingt mit unseren vergleichbar. Ausnahme angeblich (ich habe es nicht überprüft): Die von internationalen Ketten betriebenen Rotana und Sheraton. Ab 250$ aufwärts, das Rotana ist neuer und preislich wohl noch darüber.

Shopping. Keine Post.

Heute Basar und zwei nagelneue Shopping Malls. Ein krasser Kontrast. Der Basar ein Gewusel, wie man es sich wohl vorstellt. Zu bekommen ist dort alles, vom Baumarktsortiment über Schmuck und Juwelen, Lacoste-Hemden und handgeschneiderte Hosen und Anzüge. In den Shopping-Malls dagegen das volle Programm, nur H&M und C&A habe ich vermisst. Wird aber nicht lange dauern, bis auch die vertreten sind. Gekauft habe ich noch nichts, morgen ist auch noch ein Tag. Auf die Suche werde ich aber im Basar gehen. Für >500 $-Anzüge aus den Nobelboutiquen in den Malls habe ich momentan keinen Bedarf.

Ach so, kulinarisch heute zwei Highlights: Einen richtigen Cappuccino und eine vegetarische Pizza. In der Mall natürlich.

Urlaubspostkarte gibt es im übrigen auch keine. Schon der Versuch, Postkarten zu kaufen scheitert am fehlenden Angebot. Ja, wirklich: Keine Tourisouvenier-Läden, keine Postkartenständer, nirgends. Nur der Souvenierladen in der Citadelle hat neben Handwerkskunst auch einfache Landkarten von Erbil und Kurdistan und auf Nachfrage in einer Schublade hinter dem Tresen auch ein Postkartenset mit 10 Landschaftsmotiven.

Die Postkarte würde aber auch nicht helfen, es gibt auch kein Postwesen. Beim Plaudern mit einem Polizisten (welcome to kurdistan, where are you from, …) gab’s die Auskunft, dass es schlicht keine Briefmarken zu kaufen gibt. Die allenthalben in der Stadt hängen Briefkästen sind wohl noch aus dem Saddam-Zeit ? In Sachen Infrastruktur gibt es hier noch einiges zu tun. Bei dem – vor allem am Bauboom sichtbaren – Entwicklungstempo der Stadt besteht Hoffnung, dass auch die grundlegenden Infrastrukturmaßnahmen angegangen und schnell verwirklicht werden.
Der Polizist konnte im übrigen auch die Mannschaften der Bundesliga fast komplett aufzählen ;).

Nachtrag: Es gibt sie doch, die Briefmarken. Man muss offenbar wie bei vielem, v.a. geschäftlichen hier, wissen wie und wo. Dann können die Postkarten doch noch auf den weg gehen.

Ein Rundblick am zentralen Platz vor der Citadelle und dem Basar:

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Nachtrag zu Taxifahren und Essen und Trinken in Erbil

Ainkawa ist, wie schon erwähnt, der christliche Stadtteil von Erbil. Auf der Rückfahrt heute Abend in die City wieder ein Ranglistenkanditat unter den Taxifahrern. Sportlich klarer Platz 1, aber nur mit 9 Punkte, da er sich am Basar im Zentrum verfahren hat. Steckte sich gleich nach dem losfahren auch erstmal ne Kippe an, war insgesamt vollkommen entspannt (womit auch immer er zugedröhnt war) und hatte auch seine Ampelpausenbeschäftigung: Ein bis zweimal die Gebetskette hoch und runter. Da kann ja nix passieren.

Essen nach internationalem Hotelstandard zu halbwegs erträglichen Preisen gibt es in der Sky-Bar, 7. Stock Noble-Hotel, ebenfalls in Ainkawa (gleich an der ersten Querstraße rechts, von Erbil-City aus). Also Sandwiches, Bürger, Pommes (sonst auch nicht so einfach zu bekommen), Pasta in überschaubaren Portionen für 12-15 $. Mit dem Irakischen Dinar kommt man in den besseren Hotels nicht weit. Kleines Bier 5 $, naja, kann man sich mal gönnen. Am späteren Abend trifft sich hier das internationale Publikum in bar-club-Atmosphäre. Weiter Clubs soll es übrigens eine ganze Reihe geben, nicht nur in den internationalen Hotels, aber so weit bin ich noch nicht.

Ebenfalls in Ainkawa hatten wir heute einen guten Türken mit dem üblichen Programm. Aber gut und reichlich in angenehm modernen Ambiente.

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Heute ging es mit einem Kleinbus mit Fahrer ins gebirgige Hinterland der Provinz Erbil / Hawler bis an die Grenze zum Iran, vorbei an zig Checkpoints mit freundlich (schon wieder dieses Wort, aber es trifft’s wie es ist) Soldaten, die immer lächelnd grüssen, aber kein einziges Mal die Pässe sehen wollen, in eine trotz oder gerade wegen des wechselhaften Wetters wunderschöne Landschaft. Von der hatte einst vor knapp hundert Jahren schon Karl May geträumt. Von was die tanzenden Kurden auf dem Parkplatz so träumen, war leider nicht zu erfahren. Gut gelaunt waren sie allemal. Dazu später mehr, aber ein paar Bilder sollen auch heute nicht fehlen.

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Taxifahrer

Wenn man hier in Erbil von A nach B will, hat man drei Möglichkeiten: Zu Fuß (eher nur für kurze Strecken üblich), mit Minibussen (da muss man ersteinmal verstehen, wo die langfahren) oder – das meistbenutzte Verkehrmittel außer dem eigenen Auto – dem Taxi.

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Meine kleine Rangliste der Taxifahrer:

Nr. 3: Spricht oder versteht zumindest soweit Englisch, dass eine rudimentäre Verständigung möglich ist. Allerdings wird Sheraton nie verstanden, Schiiraduun schon eher. (Nein, dort wohne ich nicht, bin ja nicht Krösus. Aber es liegt in der Nähe, und dort werden vermutlich auch nachts im Nebenzimmer keine Partys gefeiert, die man noch auf der gegenüberliegenden Straßenseite hören dürfte). Nr. 3 fährt sportlich und knackt an jeder roten Ampel ausgiebig sämtliche Gelenke an den Fingern durch. Immerhin hat er den Gurt angelegt, als der Verkehrspolizist an der Kreuzung ins Auto geschaut hat.

Nr. 2: Geht gefühlt auf die 70 zu, fährt dementsprechend etwas entspannter. Kaut während der Fahrt auf Zahnstochern herum, die er bei jedem Ampelstop vorne aufs Armaturenbrett wirft. Dort lieg alles voll davon. Verständigung nur mit den Händen möglich, rechts, links, geradeaus, klappt so aber. Zum Glück ist die Stadt, trotz 800.000 Einwohnern, sehr übersichtlich, man findet vom Zentrum aus eigentlich immer den Weg.

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Nr. 1: Mittleres Alter, Typ Familienvater. Spricht gutes Englisch, redet drauf los und die ganze Zeit. Erzählt von seinem Haus, seinen Kinder (nicht aber von seiner Frau), fragt penetrant nach den eigenen Verhältnissen. Findet Deutschland toll und Hitler sowieso. Sind froh, als wir den wieder loshaben und laufen die letzten Meter zu Fuß.

Der erste Taxifahrer, vom Flughafen in die Stadt, war immer noch der beste.

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Essen und Trinken

Lecker, aber doch etwas einseitig. Zumindest das, was wir bisher gefunden haben. Die auswärtige Esskultur, soweit ich sie bis jetzt entdecken konnte, besteht aus wenigen Standardgerichten, Hackfleisch, festes Fleisch oder chicken am Spieß gegrillt (immer über offenem Holzkohlefeuer), weiße Bohnen, Auberginen, Paprika in einer Tomatensoße, Reis. Als Vorspeise sauer eingelegte Karotten, rohe Zwiebeln, Tomaten, kleingeschnippelter Paprika. Dazu Ayran, Wasser, danach Tee.
Zumindest die Mittagsesskultur ist irgendwie ähnlich unserer Kantinenkultur. Man geht in eines der Restaurants, wird dort schnell bedient, eine Art von Massenbetrieb, isst, trinkt Tee, geht weiter arbeiten. Dies in einer für mich entspannt wirkenden, angenehmen Atmosphäre und Gelassenheit. Da sollte ich mir was von abschauen.

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Iskan Street.

Überhaupt, Tee. Zu jeder Tageszeit, in der Teestube, davor am Straßenrand, an kleinen Ausschänken an der Strasse, im Restaurant. Mit viel Zucker, stark gezogen. Ein sehr passendes und leckeres Getränk, das vor allem mit einem verbunden wird: Reden, Kommunikation.

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Shopping Mall. Man beachte den Namen.

Dagegen Bier und andere Alkoholika – erwartungsgemäß Fehlanzeige. Kommt einfach nicht vor. Zumindest im arabischen Teil Erbils. Es stört aber auch nicht, man braucht den Alkohol hier einfach nicht, um zu leben. Und das Leben findet auf der Strasse statt, Straßen wie der Iskan Street mit Restaurants und Läden, einer Shopping Mall und viel Publikum, fehlt der Alkohol und die Kneipen dazu nicht.
Ganz aufgeschmissen ist man als durchschnittsabhängiger Mitteleuropäer aber doch nicht: In Ainkawa, dem christlichen Viertel, am Stadtrand gelegen, aber mit einer ansehnlichen Hoteldichte ausgestattet, gibt es die Alkläden in Reihe, wie ich dies bisher nur in Kalifornien gesehen habe. Und wie dort: Immer schön in die Tüte verpacken, auf der Strasse trinken, wird dann doch wohl nicht so gerne gesehen. Zumindest haben wir dies nicht gesehen, haben uns aber trotzdem mit nem Bit in der Hand hingesetzt. Hat niemand gesehen – oder doch niemand gestört.

Mein Hotel übrigens, liegt im arabischen Teil.

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Unterhalb der Zitadelle.

Ein Auswärtsspiel. Schade.

Arbil spielt zwar oben in der irakischen Liga mit, hat am Wochenende aber ein Auswärtsspiel bei Al Talaba SC – Studenten Sport Club – aus Bagdad. Da kann ich mit meinem Stempel im Pass alleine nicht hin, und weil morgen Freitag ist, bekomme ich so schnell sicher auch kein Visum. Schade, das wäre bestimmt eine interessante Auswärtsfahrt geworden.

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Womans Gym in der Haupttribüne.

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Der Nebenplatz, das eigentliche Stadion im Hintergrund. Leider war alles verrammelt und keine Security da, zum Fragen.

Ein erster Eindruck. Erbil, Kurdistan.

Freundlich sind die Leute. Weshalb dies bemerkenswert ist, an erster Stelle ? Weil es die Vorurteile widerlegt, die in manch einem Gespräch vor Antritt der Reise in die Autonome Region Kurdistan (Irak) mehr oder weniger unterschwellig kamen. Wir haben zu sehr das von den Medien vermittelte Bild der Kriegs- und Krisenregion Irak vor Augen, kennen aber offenbar zu wenig die Entwicklung und die Geschichte, schon gar nicht die Realität dieser Region, dieses Landes, das kein Staat sein darf.
Die Freundlichkeit äußert sich in vielen kleinen Eindrücken. Aber man sieht sie vor allem am Umgang der Menschen auf der Strasse, im Basar, im Restaurant miteinander und mit Fremden wie mir. Man wird gefragt, woher man kommt, man will sich mit mir Fotographieren lassen (alle fotographieren ständig, am liebsten sich gegenseitig), es wird so lange jemanden mit Englisch- oder Deutschkenntnissen gesucht, bis man sich verständigt hat. Man läuft über die Strasse und wird – als Fremder selbstverständlich erkannt – ‚welcome to kurdistan‘ begrüßt und angesprochen, woraus sich kurze, angenehme Gespräche entwickeln. Gastfreundlichkeit im besten Sinne.
Dieser Eindruck, willkommen zu sein, ergänzt sich durch das Gefühl, dass durch den seit Jahrzehnten fehlenden Massentourismus hier auch die einschlägigen negativen Seiten fehlen. Strassenkriminalität scheint es nicht zu geben, man wird wie gesagt angesprochen, aber nicht nur um in ein Touristenfallen-Restaurant gelotst zu werden, die Geldwechsler auf der Strasse scheinen genauso ehrlich wie die Taxifahrer zu sein. Nur nebenbei: Es gibt zwar Banken und mittlerweile zumindest hier in Erbil auch wieder Geldautomaten, aber keine Wechselstuben, wie ich sie aus Südeuropa und andernorts kenne. Und Taxameter kennt man nicht, die Taxipreise in der Stadt sind dennoch immer gleich und günstig.

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Die kleinen Geschichten am Rande in einem doch zumindest unbekannten Land, dessen Kultur wir aber eigentlich ganz gut kennen. Die Einreise in die Autonome Region Kurdistan ist – zumindest über den Flughafen Erbil (IATA: EBL) – einfach mit dem Reisepass möglich. Ein Visum muss erst vor Ort beantragt werden, wenn der Aufenthalt länger als 10 Tage dauern soll. Der – natürlich freundliche – Beamte (wenn es denn hier so etwas doch irgendwie typisch deutsches überhaupt gibt) am Schalter hat anscheinend bisher noch keinen deutschen Pass gesehen. Er fragte mich nach meinem Namen, schaute unsicher alle Seiten durch – da kam ihm auch schon ein Kollege zu Hilfe. Der schaut kurz in den Pass, raunzt den jungen Kollegen an, das seit ein deutscher Pass, fragte mich, wie lange ich bleiben will, mahnte die 10-Tage Frist an und winkte mich durch. Der Zoll hat sich übrigens überhaupt nicht für die ankommenden Gäste interessiert. Schön wäre es, wenn dies bei der Wiedereinreise in die EU auch so wäre: Bei einem Preis für ein Päcken Kippen von ca. 80 Cent.
Die Hürde Einreise war also genommen, also den anderen Passagieren nach durch das nagelneue, derzeit noch deutlich überdimensionierte, aber Zukunft hoffentlich besser ausgelastete Flughafengebäude. Vor dem Flughafen ein paar wartende Businessleute, Taxis und ein Bus ohne Zielangabe (nicht, dass ich die hätte lesen können), in den aber alle Einheimischen mit schwerem Gepäck einstiegen. Ich also hinterher, der Bus wird schon irgendwie Richtung City fahren. Das tat er auch. Aber nur ca. 2 km an die Grenze des Flughafengelaendes. Hier stand eine Menge an Abholern und Begruessern. Grosses Hallo, Kindergeknuddel, Küsschen – aber natürlich nicht fuer mich, sondern selbstverständlich für die Heimreisenden im Bus. Als solche erkennbare Taxis gab es auf diesem Parkplatz leider auch keine, aber ein freundlicher Security-Mitarbeiter, der mir einem Wagen heranruft. Das Taxi-Schild lag im Kofferraum, muss wohl irgendwann abgefallen sein. In sportlicher Fahrweise ging’s dann Richtung City, nach 10 Telefonaten und mehrfachen Kollegen anhuben und fragen, hatten wir auch das Hotel gefunden. Ich glaube, sogar auf dem kürzesten Wege.

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Noch ein Bild von heute:

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Ein Spaziergang in Berlin: Mitte.

Berlin, Tristesse, Mitte. Es sind nicht nur die Platten, es sind architektonische Klötze aus vielen Zeiten, die zweifeln lassen, ob ein Leben in diesen trutzigen Mauern, äußeres abweisende, aber vielleicht gerade dadurch das Drinnen beschützend, möglich ist. Mitte ist grau, ob die aktuellen Versuche, historische Grundrisse widerherzustellen, die Einsamkeit der Marienkirche nicht nur durch den neuen Klotz „Stadtschloss“ zu beenden, sondern auf der Weite, auf dem der Fernsehturm seinen Schatten noch in Gänze werfen kann, daran eine Änderung ergeben wird, lässt doch zumindest zweifeln, ob das ehemalige Leben eines gewachsenen Bezirkes rekonstruiert werden kann, wie ein Gebäude, im schlimmsten Falle mit einem Eimer Farbe.

Die konstruktionsbedingte Nutzbarkeit wird durch einfache Maßnahmen, wie Wäschetrocknerabluftöffnung erhöht. Den Nutzwert, das Praktische wäre zu bedenken, wenn es doch nicht nur um Grundrisse, Wiederaufbau und Farbe geht.

Wenn hierdurch zumindest der Warmluft der Ausgang ermöglicht wird, so ist es um so verwunderlicher, dass Kissen hinter Gittern der Weg, vielleicht wenigstens nicht der Blick, versperrt wird. Zumindest ein weiteres Indiz, dass die Abwehr dieser Gebäude nach aussen die Wärme im Innern bewahrt.

Aber doch, auch hier gibt es Sperren, die hoffen lassen. Auf Durchgängigkeit und Schutz vor den Mercedes, der die Einkerkerung durch die Mauern auf die Straße übertragen.

Ein Spaziergang in Berlin: Auf den Kreuzberg.

Kurz nach dem Aufstehn, wenn nach Neujahr die Winterdunkelheit schon wieder einen Tag zu Ende gehen lässt, der doch erst in der Nacht beginnt, dem Drang nach frischer Luft nachzugeben, ein Spaziergang im dämmern. Auf den Kreuzberg.

Dort oben fühlt man wohl wie auf einem Berg inmitten des märkischen Sandes, der Beobachter fragt sich jedoch, ist dies nun tatsächlich eine Huldigung der Stadt Leipzig, oder nur eine Lücke im geschichtlichen Wissen ?

Bevor das Gefühl überhand nimmt, erschlagen zu werden von diesem Koloss aus in grüner Rostschutzfarbe gestrichenem Stahl, bleibt die Wahl nun in die Weite des Flugfeldes Tempelhof zu flüchten, oder in die Kreuzberger Nacht vollkommen einzutauchen.

Wobei es sich anbietet, suchenden Gäste den Weg zu den Urspüngen dieser Stadt zu weisen. Oder aber, das Telefonat abzuwarten und dem fine food eine Chance zu geben, Grundlage für den weiteren Weg durch die Stadt und die Nacht zu sein.

 

 

Rheinsteig

Dunkel liegen die schieferschwarzen Orte an den Hang gedrängt, als hätten sie Angst vor dem Fluss vor ihren Füßen. Der Staub des 50er-Jahre-Kegelvereinsausfluges mag nicht schwinden, selbst die Hochwasser vermögen das Grau nicht zum dauerhaften Glanz zu bringen. Seltsame Kapellen, in Form einer Acht, jedoch ohne Dach. Wohnmobil-Stellflächen in exponierter Lage vermitteln den unausgegorenen Kompromiss, statt Hausfrauenausflüge den freiheitlichen, sich gerne in Sicherheit und Sichtbarkeit wiegenden Mittelstand anzuziehen.

Auf dem Steig die Lichtblicke. Ausblicke, die über die Enge des Tals hinausgehen. Die Weinstube im Wald, an der Grenze zwischen den rechtsrheinischen Rheinland-Pfalz und dem Rheingau gelegen. Die Langsamkeit der dort arbeitenden spiegelt die Ruhe wieder, die manch einem im Wald bei Wein, trotz forscher Kinder und den eigenen Ansprüchen genügender Ausstattung und Strecke, entgegen kommt.

In Lorch (Rheinhessen) schmeckt der Wein. Vielleicht sind dies die versteckten Lichter in der Enge des Tals, die unterbrochen durch die endlose Kette der Güterbahnen und der Weitsüchtigen, die nicht oben sich laufend, sondern unten strampelnd vorbeirasen, den Weg hinein und hinaus weisen.

Bleiben die Burgen. Als Immobilien scheint es Entwicklungspotential zu geben, ob als Ruine  Nollig oder als Luxusherberge mit Zugangsbeschränkung, die nicht nur durch einen gefüllten Geldbeutel aufzuheben zu sein scheint.

Und es bleibt die Frage, ob dieser Abschnitt des Tals nicht einfach im Tiefschlaf verbleiben sollte, solange der Wein seine Urspünglichkeit erhält, die dem Rhein und seinem Tal schon lange genommen wurde.

 

Ludwigshafen am Rhein

Alte Heimat, Stadt am Fluss, Stadt im Fluss, abgewandt von ihrem Fluss. Und jetzt geöffnet, der Blick auf die neu erstrahlenden Lagerhäuser am Mannheimer Ufer, die eigenen Hafenlager niedergelegt und den Menschen der Stadt zurückgeben. Zumindest soweit sie dem Moloch des Kommerzes folgen können, oder denen zuschauen wollen, die es sicht leisten können. Zugleich der weitere Verfall der jungen Innenstadt, doch in einer Weise, die die Urspünge der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wieder hervorheben, ja zum Glanzpunkt einer städtischen Ödnis werden lassen. Tortenschachtel, Berliner Platz, belebt, vereinnahmt derer, mit dieser Stadt lebenden. Und der eigenen Konkurrenz am Ende der Magistrale ausgeliefert, wie einst, vor Jahren, dem ähnliche Versuch der Moderne, der nun, nachdem er verroht ist, wohl verrottet und das Fundament den Entscheidern in den Stockwerken darüber sichtbar macht.

Doch Leben am Fluss, für die Menschen der Stadt, aufgewertet, durch die Straße ins Grüne, in die Frische der Haardt, die Tanke und den Kiosk nahversorgt. Auch ohne die Öffnung zum Rhein und der Verlockung, diese nicht mehr sehen zu müssen, da die Galerie alles umschließt.

Im Rhein

Der Rhein bei Nackenheim. Es ist Anfang Mai 2011, nach dem Hochwasser im Januar nun Trockenheit, kein Regen seit Tagen, nimmt man die Zuflüsse hinzu, seit Wochen. Im Rhein zeigen sich Sand- und Kiesbänke, die – nicht nur bei Hochwasser – nur selten in dieser Ausdehnung trockengelegt und sichtbar werden.

Die Bilder mit leichter Patina, 100 oder vielleicht 150 Jahre alt, würden Erinnerungen hervorrufen. Warten wir, bis die Patina des digitalen ihre Spuren hinterlässt.