Die Faust ist weg!

Nun ist sie glücklicherweise in ‚Oh Boy‘ gerade noch filmliterarisch verewig worden, doch die Techniker der Berliner S-Bahn werden einen Grund gesucht und gefunden haben, die Signalrückblende auszutauschen, um die ungewollte Signalwirkung zu entfernen.

Brücke zur Sonnenburger Straße, Berlin Prenzlauer-Berg
Brücke zur Sonnenburger Straße, 07. April 2013. Berlin Prenzlauer-Berg

Die Einsamkeit des Dienstreisenden.

Es gibt, wenn man so durch die Republik gereist wird, ja Städte, die einem vorkommen, als wollten sie einem begrüßen. Und Städte, aus denen man am liebsten schnellstmöglich rückwärts wieder rausfällt. Düsseldorf gehört für mich in diese Kategorie. Ballermann, Abzocke (schlimmste Pizza seit Dr. Oetker halbgefroren), arrogantes Volk auf allen Ebenen vom Bussiness bis zur Schnapskneipe. Da muss ich noch nicht mal wegen Fussball nochmals hin.

Meist retten ja die Kneipen, die Kneipe genannte Kneipe in Dü. kann man aber knicken. Kuerzer ist dafür ok, und die beiden Jungs vom Kreuzherrreneck sind absolut voll in Ordnung. Können ja nix dafür, dass ständig blondiertes Studivolk auf einen Schnaps und ein Alt (0,2!!!, das Bier, nicht der Schnaps, einen Schluck also) einfällt.

Da lieb ich mir mein Berlin, in dem ich morgen bis 18 Uhr dann wirklich dienstlich bin. Und dann: Bornholmer Hütte, ich komme. Und Elefanten, hier bin ich. Hier lebt man und ist nicht zuerst Schein. Und 05er: Samstag zunächst das letzte mal Fussball in der Grünberger Str. mit euch. Ach, was freu ich mich!

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Hansaviertel, Berlin. (1)

Wie es scheint, ein Viertel, das mit seinen Bewohnern alt und auch ein Stück Weise wurde. Zeitlos sind die Bauten in Süd fast schon jetzt, zeitlos sind auch die Zecher und Lebensgeniesser beim Thai-Imbiss am Einkaufszentrum. Sonnig, zwischen Fluchten, die nicht dem Fluch des Sichtbetons erlegen sind. Fast schon aufwertend der unvermeidliche City-Rewe, herzlich gesprächig die Bäckersfrau bei Thürmann, die den Touris auch in perfektem Englisch fließend die Unterschiede zwischen Vollkornbrot mit und ohne Saaten erklärt. Und neben all dem kleinstädtischen steht die Siegessäule, ohne gegenseitiges Interesse. Man kennt sich und geht sich aus dem Weg.

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Der Himmel über Berlin, August 2012

Der Himmel über Berlin. Zeitlos. Im Gegensatz zur Wirklichkeit der Bedeutungsgeschichte der himmelüberwölkten Monumente in Berlins Mitte. Die neue Wache, vom Wachbataillon des friedrichschen Kaisers zum Abziehbild der verharmlosenden Weltherrschaftsgedanken der Kohl-Ära, der Werdersche Markt vom Übergang der schinkelhaft gestalteten Stadtmitte zum Schloss-Areal, das die nächste so deutsche Geschichtsfälschung beherbergen soll. Nur zufällig, strahlt dieser Himmel direkt auch über dem Auswärtigen Amt, das sich bunkerhaft seinen Platz am Wasser genommen hat. Geschützt vor diesem von allen Seiten.

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Werderscher Markt, Berlin-Mitte.

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Neue Wache, Berlin-Mitte.

Hermes, du Götterbote

Hermes, so bringe nur die guten Nachrichten!

Weshalb man dich in Berlin jedoch in einem sakralen Bau, wenn auch säkularisiert, mit Badenden und Nymphen unterbringt, das wissen wohl nur die Museeumsangestellen. Doch so sage uns, was die Knaben und Frauen in deinem Bau uns mitteilen wollen. Wir sind interessiert, gespannt, wie der Bogen des Eros. Vielleicht hilft auch die Lektüre der Werke deine Zimmergenossen, Goethe und Kant, und weitere klassizistischer Genossen.

Skulpturensammlung Friedrichswerdersche Kirche, Berlin.

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Siemensstadt, Berlin (West)

Häuser in Reihe, dem Licht zugewandt mit ihrem rundlichen Gesicht und doch auf die eigene Kehrseite gerichtet. Den Blick über reichlich auslaufende Rasenflächen, obselbst die Jungfernheide mit ihrer waldlichen Erfrischung und dem See zur Abkühlung in Rufweite liegt. Erfrischend für den Betrachter zuvorderst ist jedoch: Hier wurde noch im Gedanken an die Bewohner entworfen und umgesetzt, nicht ausschließlich zum Gustus des Investors.

Siemensstadt, Berlin-Spandau / -Charlottenburg.

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Ausgerechnet Freitag, der 13.

Nein, nicht heute. Am 6. des Monats. So fahrend durch die Nacht, mehr wartend, auf die BVG.

Wir kommen vermutlich, fast sicher, von unterschiedlichen Orten, und haben, fast sicher, das gleiche Ziel: Zu Hause.

Des Nachts an der Landsberger Allee. Nur die Richtung, die ist verschieden. Ob der Ausgangspunkt gleich ist, wer weiß ?

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Rita Maria (Portugal), Carlos Bica (Portugal, Berlin), Elias Meister (N.Y.C., USA), Hanno Stick (Berlin) am 6.7.12 im Alten Finanzamt, Berlin (Neukölln)

Langsam, leise, zurückhaltend, so zumindest der Beginn. Dass nun aber gerade nicht die Jazz-Standards in den Vordergrund drängen, ist nach wenigen Takten erkennbar klar. Vielmehr ist es ein vorsichtiges, leichtes und leises herantasten einer gut abgestimmten, klar kommunizierenden und musikalisch harmonierenden Ensemble-Besetzung an ein, für mein Empfinden zunächst fürchterlich ernstes, erwartungsstarkes, aber in der altersbedingt zu erwartenden eigenen Unsicherheit verharrenden Publikums, das es zu gewinnen gilt, und das auch gewonnen wurde. Gerade Carlos Bica, der zusammen mit Elias Meister die Erfahrenheit im Umgang mit atmosphärischen Umgebungen souverän zeigte, stellte alleine durch sein unheimlich lockeres und doch konzentriertes Auftreten sicher, dass die (nicht vorhandene) Bühne der Band einen Mittelpunkt gab, aber im genau passenden Anteil der Person und Stimme Rita Marias die Grundlage, die die Herzen der ca. 60 im kleinen Kellerraum des Alten Finanzamtes in Berlin-Neukölln nicht erst dann gewann, als Songstruktur und Improvisation so verschmolzen als wäre nun nicht mehr die Struktur vorherrschend, und den Freiraum gab, spätestens als Gesangslinie und der im schwebenden Sound (im übrigen durch eine länger nicht mehr gesehene Ansammlung von Boss- und anderen Tretminen gestaltet) sich zum Wechselspiel und Duett trafen, die kleine Barriere zu den direkt zu Füssen der Band sitzenden jungen Leuten gebrochen wurde, die nicht nur zur portugiesische Community in Berlin gehörten, wenn auch das Gefühl eines Insider-Gigs im überhitzten Keller schwebte. Es folgten Songs mit klarer Konstruktion und bestimmter Freiheit, mit Eigenleben durch die v.a. von den Autoren Meister und Bica eingebrachten (Lebens-)Erfahrungen und die immer mutiger werdende, auch immer freier und zugleich fast eruptive und hierdurch freier werdende Stimme und Führung Rita Marias, die das ganze Spiel des Ensembles letztendlich zu einem wunderschönen, sehr entspannten Ganzen werden liesen. Und auch wenn die musikalische Heimat der Beteiligten hör- und fühlbar war, so zu einem wahren Hörerlebnis verschmolzen, so gab es doch keine musikalische Einschränkung hierdurch, sondern die Basis einer Freiheit, die nicht oft hörbar und fühlbar wird und ganz und gar nichts mit erkennbar absichtlichen Fusion-Konzepten zu tun hat. Danke für diesen schönen Abend.

Wer die Möglichkeit hat, Rita Maria, Carlos Bica und die anderen Beteiligten live erleben zu können: Hingehen. Hat mit Jazz auch nur am Rande zu tun. Auch für mich gilt: Man hört sich.

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Carlos Bica (cb.), Hanno Stick (perc.), Rita Maria (voc.), Elias Meister (git.)

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Carlos Bica

Strassenträumer

So war der Sixties-Traum gedacht in den Suburbs der Molochs der industriellen Revolution, recht britisch, doch zum Lebensgefühl geworden, zumindest für diejenigen, die aus dem tristen Grau der Armut ins Grüne ausbrechen konnten. Mit ihrem Baby, am Steuer.

Nun hat das Grau der Städte längst seinen Widerhall im Grau des Asphalts gefunden, der längst keinen Platz mehr bietet für das Auto, das an den Rand gedrängt seine Symbolik verlor. Nein das Baby hat gesiegt, im Arm der Prenzlauer-Bergischen Elterngilde, das Freiheit verheißende car ist zum Kinderwagen geworden, der Raum der Strassen gehört längst denen, deren Eltern bereits in den tristen Sixties den Versprechungen in die eigene Zukunft entflohen sind.

Baby, you can drive my car.

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Des Nachts in Berlin

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So wir gehen den täglichen Weg über die Schlucht der Ringbahn- und der Fernbahngleise, deren Ränder an Häuserwänden abgeschnitten sind wie mit dem Skalpell, die D. entlang, und hoppla, ein Gefährt, schnell wie Spiderman und leicht zu knacken, begleitet unseren Weg.

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Doch die Liebe ist in der Nacht, so küssen selbst die Ampeln der B. die Passanten.

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Doch die, bei Tageslicht betrachtet und in Stein gemeißelt, leuchtet den Weg mit dem Lichterkranz.

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Portugal in Berlin

Alfred Ehrhardt-Stiftung, Berlin, Auguststraße. Fotographien in schwarz-weiß, in einer klaren, aber nicht einfachen Bildsprache. Portugal 1951, die Fotographien eines Filmemachers mit dem Auge des abschließenden Beobachters, der dokumentarisch festhält und Fragen aufwirft. Zumindest für den heutigen Betrachter dürften dies jedoch andere sein, als die Fragen, die Ehrhardt im Kopf hatte. Frage ich mich doch heute, wie der – offenbar recht kleine – Ort heisst, der oberhalb und unterhalb einer Klippe am Meer liegt, und in dessen Steilwand eine Standseilbahn mit mittigen Ausweichgleis gebaut ist.
In ähnlicher Sprache der Film. Heute als folkloristisch mit mitteleuropäischer Überheblichkeit rüberkommend, in den 50er ein Blickfenster in eine so nicht gekannte, weil nur für wenige wahrnehmbare Welt. So wie man sieht, wie sich das Land als Subjekt verändert hat, so hat man sich selbst als Betrachter von den damaligen Rezipienten abgesetzt.

Für alle Portugal- und Photographie-Liebhaber eine klare dringende Empfehlung.

Alfred Ehrhardt-Stiftung, Berlin.

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Blick durch’s Fenster am Tränenpalast

An der Stelle, die einmal der Durchgang nach der ‚Grenzkontrolle‘ im Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße gewesen ist, Richtung Westen, für manch einen ohne Rückkehr, nun ein Blick hinein, also zurück.

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