Aqaba – Kerak, Jordanien. 11.12.2012

Wir verlassen nun Aqaba nach einem weiteren Strandtag. Als Ziel haben wir uns kurzentschlossen für Kerak, eine Kleinstadt am Rande einer ehemaligen Kreuzritterburg, südöstlich des Toten Meeres entschieden. Sie wird uns mehrfach an das sizilianische Enna erinnern, wenn auch die Lebensart dort eine gänzlich andere ist. Laut Reiseführer gibt es eine regelmäßige Busverbindung von Aqaba nach Kerak, von der aber wiederum der Rezeptionist unseres Hotels, der meinte alles in und über Aqaba zu wissen, nichts wusste. Also gehen wir zunächst ohne Gepäck die Fahrtmöglichkeiten erkunden. In Aqaba gibt es mindestens drei Bus-Stationen, wie wir nun wissen: An der J.E.T.T.-Station im Hotelviertel fahren die Komfortbusse nach Amman und Irbid. An einer weiteren Station Downtown fahren die lokalen Minibusse. Dort fragen wir nach einer Verbindung nach Kerak, werden wie meist zunächst zu jemanden geschickt, der englisch sprechen kann und erfahren, dass die Busse nach Kerak „die Straße bis zum Ende gehen, dann links und wieder rechts“ abfahren würden. Dies war eine typisch jordanische Wegbeschreibung, Straßen haben zwar Namen und sind auch in arabisch und englisch beschildert, mit Straßennamen kann aber kaum jemand etwas anfangen. Man orientiert sich an landmarks, z.B. den Kreiseln in Amman, oder gibt Wegbeschreibungen den Straßen entlang. Es funktioniert.

An der beschriebenen Ecke angekommen, steht dort tatsächlich ein Minibus, halb besetzt. Wir werden wie immer freudig begrüßt und nach einigem hin- und her und Uhrzeiten auf Zettel schreiben wissen wir, dass der bereitstehende Bus abfährt, wenn er voll ist, und dass wir gegen 15 Uhr einen weiteren Bus benutzen können. Somit wäre dies hinreichend geklärt und wir besichtigen zunächst die vorgestern ausgelassene Ausgrabung einer der frühesten islamischen Siedlungen (am Kreisel neben McDonalds, von wegen Landmarken zur Wegbeschreibung).

Ein ehemaliges Tor (ägyptisches Tor) und ein Stück restaurierte Straße sind aufgrund der zu fühlenden Enge der ehemaligen Festung imposant, Reste einer frühen Moschee erinnern an römische Tempel, wenn die Römer auch wohl nicht zur gleichen Zeit soweit südlich waren. Nach dem kurzen Rundgang gehen wir die wenigen Meter zum Hotel, erklären dem Rezeptionisten, wo die Busse nach Kerak abfahren und holen unser Gepäck. An der Busabfahrtsecke angekommen, steht der gleiche Minibus noch immer da, mittlerweile fast gefüllt. Die Leute haben teilweise also schon deutlich über eine Stunde gewartet. Der Bus ist zudem fast komplett mit Einkaufstüten und Kartons vollgestopft. Wir bekommen zwei Plätze freigeräumt und zugewiesen und nach einer weiteren halben Stunde geht es endlich los.

Die Zollabfertigung der Sonderwirtschaftszone ist lax wie auf der Hinfahrt, diesmal steigen alle männlichen Mitfahrer aus, während die Frauen sitzen bleiben, der Zöllner wirft aber nur einen kurzen Blick in den Bus und weiter geht’s. Wir merken, dass wir zwar eine billige Flasche Arak dabeihaben, aber vergessen haben, Zigaretten zu 1,25 JD in ausreichender Menge zu kaufen. Touristenpech. Die Männer im Bus sitzen im übrigen vorne, wir ziemlich genau in der Mitte und die Frauen und Kinder hinten. Ob das Zufall war, erschließt sich nicht, es scheint aber wenig wahrscheinlich. Vier zunehmend anstrengende, zwischen den Gepäck eingezwängte Stunden später, diesmal auch ohne ‚Zigarra‘-Pause, sind wir am Busbahnhof von Kerak und stehen zunächst mal mit unserem ganzen Gepäck im Gewimmel. Unser Ziel, das Rest House an der Burg, liegt in Sichtweite, aber hoch oben auf dem Berg. Zu Fuß eine Unmöglichkeit. Schnell kümmern sich jedoch die Umstehenden um uns, wir werden zu einem Auto an der anderen Straßenseite gelotst. Mangels Verständigung können wir keinen Preis aushandeln, sind aber auch einfach froh, dass wir weiterkommen. Wir werden am Hotel sehen, ob es wieder eine unliebsame Überraschung zum Fahrpreis gibt. Es gab sie nicht: Der Fahrer wollte einen JD, ich gebe ihm zwei, worauf er sich freundlich grüßend verabschiedet. Oben angekommen beziehen wir das sehr einfache, lange nicht renovierte Zimmer und machen uns auf die Suche nach einem Kaffee.

Kerak, der alte Teil besteht dem ersten Eindruck nach aus drei parallelen Straßen mit den üblichen Geschäften, jedoch ursprünglicher und ’normaler‘ als Aqaba und Amman. Ein Café finden wir nicht, die wenigen Restaurants scheinen geschlossen. An einem werden wir angesprochen, wir sollen doch jetzt zum Essen kommen, später habe man möglicherweise geschlossen. Wir ignorieren dies zunächst geflissentlich. Schon auf dem Rückweg von unserem kurzen Rundgang, finden wir ein geöffnetes Restaurant, bekommen dort am schon für das Abendessen voll gedeckten Tisch auch einen guten arabischen Kaffee und schauen kurz mit den Angestellten eine daily soap an, ähnlich wohl wie ‚Verbotene Liebe‘, aber eine gute Nummer krasser. Oder zeigt das deutsche Fernsehen zur Spätnachmittagszeit, wie sich ein Mädchen mit Benzin übergießt und anzündet ? Ich weiß es nicht, da ich keine deutschen Nachmittags-Soaps schaue.

Nach einer Stunde ausruhen im Hotel machen wir uns auf die Suche nach einem Abendessen.

Die halb offenen Restaurants (das Licht gedämmt, keine Gäste, die Rolladen halb heruntergelassen) sind nun völlig verlassen und dunkel. Auch unser Kaffee-Restaurant ist geschlossen. Wir gehen ein paar Schritte downtown, finden dort aber nur zwei Essbuden mit Tischen, die ebenfalls am schließen zu sein scheinen. Die Grills waren zumindest schon kalt, von den Gästen werden wir dennoch mit ‚welcome‘ begrüßt. An einer Scharwarma-Bude fragen wir nach einem Restaurant und bekommen den Tipp, mit dem Taxi für einen JD 2-3 Kilometer zum ‚March‘ zu fahren, dort gäbe es (mehrere) Restaurants. Taxis standen gleich gegenüber, nach Verständigungsversuchen mit Händen und Füßen stehen wir dann mit zwei Taxifahrern in einer Pharmacia, deren Besitzer Englisch konnte. Die Taxifahrer wollen nun 5 JD, um uns in ein Restaurant zu fahren. Wir zeigen unsere ablehnende Haltung und sind schnell bei 2 JD für die Fahrt, entschließen uns aber, doch in der Altstadt zu bleiben. Zum Abendessen gibt es also einen kalten Falaffel-Sandwich für mich und einen Scharwarma für C. Auf dem Weg zurück ins Hotel scheinen auch die letzten Läden zu schließen, nur noch die kleinem Supermärkte mit dem immer gleichen Programm: Chips, Cola, Wasser, Waschmittel, Käse und Eier, bei uns würde man Kiosk sagen, sind geöffnet.

Wir machen uns einen gemütlichen Abend im Hotelzimmer mit dem letzten Amstel aus Aqaba und der halben Flasche Arak, die weg muss weil nicht ganz dicht: Mein ganzer Rucksack riecht nach Anis.

Kerak ist offensichtlich ein verschlafenes Nest, mal sehen, was uns morgen hier erwartet.

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Frühislamische Siedlung, im Hintergrund neumodisches Touristenresort.

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Die Wege in der Ausgrabungsstätte zunächst markiert, dann als es interessant wird, hören die Begrenzungen unvermittelt auf und man steht mitten in der altertümlichen Straße. Die leider ziemlich vollgemüllt – mit aktuellem Wohlstandsmüll: Coladosen, Plastiktüten – ist.

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Straße zum ägyptische Tor

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Zur Rast im Sommer bei über 40 Grad sicher einladend

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Restaurierte Steine

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Reste einer Moschee

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Ein Vineyard an der Wüstenstraße durch das Wadi Arabia

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Kerak

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Metzger

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