Amman – Aqaba, 06.12.2012

Nachdem wir gestern zu müde waren, um noch an die Bus Station zu fahren, um dort Tickets nach Aqaba zu lösen, lassen wir es nun etwas drauf ankommen und machen und recht früh, also gegen 10 Uhr morgens zu Station am 7. Circle auf. Telefonisch konnten wir die Fahrscheine leider nicht buchen, die Verständigung lies leider auch nicht zu, zweifelsfrei zu klären, ob wir die Tickets, wie im Reiseführer beschrieben, 1-2 Tage vorher buchen müssen. Egal, ist ja keine Hochsaison und schlimmstenfalls müssen wir die Busstation nochmals wechseln und anstatt mit dem ‚Komfortbus‘ mit dem normalen Minibus für kleinen Preis aber mehr Zeit oder einem Servicetaxis für etwas mehr Geld fahren.

Der Hotel-Taxifahrer hatte leider einen Order, also vollgepackt mit den Rucksäcken an die Straße gestellt und ein Taxi zum 7. Circle herbeigerufen. Der erste Taxifahrer sagte 5 JD an, was uns zu hoch erschien, da wir ja schon zwischen 3. und 4. Circle waren. Also ins nächste Taxi. Auch er macht die Uhr nicht an, also schleunigst den Preis verhandeln. 5 JD, na gut, ok. Am 7. Circle angekommen hält er nicht wie angesagt vor dem J.E.T.T.-Büro, sondern bei der Bus-Konkurrenz von Trust. Und die 5 JD sollten nun plötzlich ‚each‘, also pro Person sein. Nach kurzer Diskussion geben wir auf und wünschen ihm das Beste hinterher. Die Schimpfwörter erspare ich euch hier. Also, obwohl wir das eigentlich schon wissen: Wenn der Taxifahrer die Uhr nicht anmachen will, weil es zu weit aus der Innenstadt hinausgeht, oder warum auch immer, sofort den Preis verhandeln und zwar ‚for the car‘, sonst wird’s meistens teuer und sehr ärgerlich. So nett, freundlich und hilfsbereit die Leute hier sind, bei den Taxifahrern gibt es leider Ausnahmen, hier ist aufpassen angesagt, sonst wird man als Tourist abgezockt.

Trust hatte einen Bus nach Aqaba um 15 Uhr, also erst in 4 Stunden. Kosten 8 JD. Also eine Ecke weiter bei J.E.T.T. gefragt: 12:30 Abfahrt, 8,80 JD. Klare Sache, sofort gebucht. Dort war dann mit den Leuten im übrigen auch wieder alles bestens: Die Mitarbeiter und Mitwartenden freundlich, wir konnten die großen Rucksäcke abstellen und als die Ticketverkäuferin zunächst auf den 50 JD-Schein nicht rausgeben konnte, war das völlig problemlos. Es wurde jemand zum Wechseln geschickt und 5 Minuten später drückte sie mir die fehlenden 20 JD in die Hand.

Die Stunde Wartezeit überbrückten wir in einem Coffee-Shop um die Ecke. Dort sprach uns einer der Jungs direkt mit bestem Deutsch an. Er studiere an der Deutsch-Jordanischen Universität in Madaba, war zwar noch nicht in Deutschland, hatte die Sprache aber schon ziemlich gut drauf. Das war mal ein lebendes Beispiel dafür, dass Jordanien das höchste Bildungsniveau der Region hat. Obendrauf wurde dann die arabische Popmusik noch in massiver Lautstärke durch deutschen Hiphop ersetzt, irgendwas frankfurterisches dem Dialekt nach, volle Pulle natürlich.

Die Busfahrt war dann unaufregend, die Wüstenautobahn zieht sich ca. 400 km weitgehend gerade nach Süden. Am Rande wenige kleine Ortschaften, die teils direkt durch die Autobahn zerschnitten werden (hier gibt es dann Bremshuppel, so dass der gesamte Verkehr auf Schrittgeschwindigkeit runtergebremst wird) und einiges an rauchender Industrie. Irgendwann, nach gut 2 Stunden, hält der Bus am Seitenrand – mitten in der Wüste sozusagen -, der Fahrer sagt irgendwas von Zigaretta ins Mikrofon (so schwer ist arabisch gar nicht zu verstehen!), 4 Fünftel der Mitfahrer steigen aus. Nach 10 Minuten geht’s weiter, in Ma’an ist kurz das Stadion am Straßenrand zu sehen.

20 km vor Aqaba hält der Bus an einer voll ausgebauten Grenzstation. Aqaba ist Freihandelszone, die Steuern sind hier weit niedriger, als im Rest Jordaniens. Was sich vor allem bei den Alkoholpreisen bemerkbar macht. Die Mitfahrer holen ihr Gepäck aus dem Kofferraum und lassen es in einer Barracke neben der Fahrbahn scannen. Von uns wollen die Zöllner nicht einmal richtig den Pass sehen. Als ich das Gepäck holen will, meint der Fahrer nur ’no problem‘. Also gut, Zigarettenpause bis die Mitfahrer fertig sind, und weiter geht’s dem Meer entgegen.

In Aqaba mit dem Taxi ins Hotel in der Stadt (diesmal keine Probleme mit dem Taxifahrer, auch wenn der Preis mit 2 JD für die kurze Strecke eher hoch war, aber das war der vereinbarte Preis), einchecken, ausruhen. Abends noch einen kurzen Spaziergang an den Stadtstrand, Fisch essen im syrischen Restaurant (sehr lecker). Auf dem Weg zurück in das Hotel unterhalten wir uns noch mit einem Ladenbesitzer. Er spricht uns wie üblich mit ‚welcome‘ an, schnell wird klar, dass er vor vielen Jahren beim ‚ZDF Mainz‘ war und in der Lawrence von Arabien-Verfilmung mitgespielt hat. Das Fotoalbum hat er griffbereit, die Filmfotos zeigen tatsächlich unseren Souvenirverkäufer in jungen Jahren zusammen mit Omar Sharif. Der Film wurde übrigens in Aqaba und Umgebung gedreht.

Dann noch ein paar Bierchen auf dem Balkon, wir wundern uns über den Motorenlärm auf der Straße. Doch dazu morgen mehr. Urlaub.

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Süßwaren- und Zigarettenstand in Downtown Amman

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Im Suk in Amman. Die Gebäude sind teilweise 5-6 Stockwerke hoch, genutzt werden aber (nur noch) die Erdgeschosse. Oben scheint es Leerstand zu geben, die Rolltreppen sind offenbar seit Jahren defekt (also wie in Mainz am Brand).

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Im Suk in Amman.

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Im Suk in Amman

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Wüstenautobahn

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Wüstenautobahn

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Blick vom Hotel-Balkon

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Abendessen in Aqaba

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Nicht Lawrence von Arabien, aber ein filmischer Zeitzeuge

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