Madaba, Jordanien. 03.12.2012

Nachdem mir drei Tage Amman am Stück zu viel zu sein scheint, mache ich kurzentschlossen einen Abstecher ins ungefähr 30 km südlich liegende Madaba. Die Kleinstadt geht auf vorchristliche Wurzeln zurück, ist seit der Vertreibung von Christen aus Kerak am Toten Meer in den 18hunderter Jahren wieder ein Zentrum verschiedener Konfessionen mit mehreren aktiv genutzten Kirchen geworden. Die Konfessionen, Christen und Muslime scheinen hier – gewohnheitsmäßig – problemlos bei- und nebeneinander zu leben. Nicht weit ist der Mt. Nebo, von dem Jesus das gelobte Land sah. Was ihm Benedikt der Bayer gut 2000 Jahre später nachmachte. Ich frage mich, zu welcher Zeit die Probleme der Menschen in der Gegend größer waren und ob es in 2000 Jahre besser geworden ist.

Madaba ist die Stadt der Mosaiken. Die Ende des vorletzten Jahrhundert gebauten Kirchen gründen teils auf Fundamenten aus der frühchristlichen und byzantinischen Zeit, in der Baptistenkirche (Kathedrale) ist dies in der Krypta besonders gut zu sehen. Dort gibt es Reste aus verschiedenen Bauphasen, die Römer haben wie so oft einen Wasserkanal hinterlassen, halb überbaut ist ein byzantinisches Mosaik zu sehen. In den Nebenräumen, immer noch unter der Erde bzw. der aktuellen Kirche, sind weitere Mosaiken und sonstige Stücke ausgestellt. Das Highlight ist aber der Klockenturm, der wie alles dort und auch in den anderen Kirchen in Madaba, frei zugänglich besichtigt werden kann (die Tickets kosten 1-2 JD und sollten natürlich gelöst werden), ohne dass man, zumindest in dieser Jahreszeit, von allzuvielen Mittouristen und Aufpassern belästigt wird. Die Wächter und sonstigen Angestellten sind allerdings bisher ausnahmslos nett, freundlich und jederzeit bereit, Auskunft auch zu den geschichtlichen Hintergründen zu geben. Aber der Glockenturm: Dieser kann bestiegen werden, man zwängt sich quasi zwischen den Glocken auf vier immer höheren Ebenen, über enge und steile Leitern, nach oben. Dort gibt es einen kleinen, aber sicher weiten Ausblick rund herum. Ich habe zugegebenermaßen bei der dritten Glocke aufgegeben, immerhin hing ich völlig alleine zwischen den Glocken in gefühlt 50 m Höhe und die nächste Leiter schien endlos. So hatte ich nur einen kurzen Blick durch die Fenster auf dem Weg in die Höhe. Sollten wir auf dem Rückweg aus dem Süden Jordaniens nochmals in Madaba vorbeikommen, unternehme ich einen weiteren Versuch mit Unterstützung.

Das bekannteste Mosaik dürfte die Palästina-Landkarte in der Georgskirche sein. Diese ist griechisch-orthodox, im Keller gibt es einen kleinen Raum mit Ikonen in Wandglaskästen, die mit Zetteln offenbar der gläubigen Besucher gefüllt sind. Möge es ihnen helfen.

Interessant ist auch der kleine archäologische Park, mit einem Stück Cardo, römischen Thermen (selbstverständlich mit Mosaikböden) und einen großen römischen Mosaik eines Kirchenbodens, das jedoch gerade teilweise restauriert wird, was an fehlenden Figuren und Bauplanen auch unschwer zu erkennen war. Trotzdem erläuterte mir ein Führer dort alles ausgiebig und verständlich. Und von ihm bekam ich auch endlich eine brauchbare Jordanien-Karte, nach der ich in Amman vergebens gesucht hatte. Das war mir dann auch einen guten Tip wert. Alles im archäologischen Park ist auf sehr kleinen Raum, komprimiert sozusagen. Auch zur Römerzeit war Madaba offensichtlich eine Kleinstadt.

Das archäologische Museum ist ebenfalls sehenswert. Da ich der einzige Besucher war, lief mir der Wärter hinterher, um in den Räumen erst einmal das Licht einzuschalten. Die kurze Führung gab es somit gleich hinzu.

Die christliche Prägung der Stadt, in den die Musilime wohl die Mehrheit bilden, ergibt auch, dass es hier Alkoholläden und Bier und Wein in den Restaurants gibt. Dumm nur, dass ich ausgerechnet heute nach dem Abendessen an einer Falaffelbude keinen offenen Laden mehr gefunden habe. egal, geht auch ohne. Trotzdem finden das Leben bis spät abends auf der Straße statt, bis spät sind die Essensbuden und Läden an den Hauptstraßen geöffnet.

Spannend war auch die Fahrt mit dem Minibus von Amman nach Madaba und wieder zurück. In Amman hatte ich glücklicherweise einen netten und fitten, v.a. englischsprechenden Taxifahrer, der mich nicht wie gewünscht an den südlichen Busbahnhof, sondern eine Straßenecke weiter (was schon mal ein paar hundert Meter sind) brachte, wo die Busse nach Madaba tatsächlich abfuhren. Die Busse mit ca. 25 Sitzen stehen am Straßenrand und fahren los, wenn sie (halbwegs) voll sind. Man hat hier Zeit und Ruhe, angenehm.

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