Jerash, Jordanien. 29. und 30.11.2012

Jerash, 29.11.2012

Unser Fahrer lässt C. direkt an der Ausgrabungsstelle raus, sie muss direkt ab 7 wieder arbeiten. Ich werde zu . gefahren, bei dem ich am Rande des noch in der römischen (?) Stadtmauer befindlichen, jedoch neueren Teil von Jerash, auf der gegenüberliegenden Talseite des antiken Gerasa, für die nächsten Tage wohnen kann.

Ich musste nach der Ankunft zunächst Schlaf nachholen, bekam dann gegen Mittag noch ein Frühstück, und verschaffe mir dann zunächst einen kleinen Überblick über die moderne Stadt, was in einer Stunde locker zu erledigen ist.

Jerash ist eine Kleinstadt, sehr überschaubar, wenn auch mit – wie fast überall in der Region – ausufernden modernen Randgebieten (nicht dass die Stadt selbst alt wäre, von den römischen Relikten abgesehen). In der Hauptstraße und den angrenzenden Gassen herrscht geschäftliches Treiben. Gemüse wird vom Pickup herab direkt an der Straße verkauft, es Reihen sich Metzger neben kleinen Läden für den alltäglichen Bedarf und Imbißbuden. Eine Art Zentrum bilden die Moschee an der Fußgängerbrücke zur antiken Stadt (römischen Urspungs, die sanierte Brücke), gegenüber ein kleines modernes Kulturzentrum, dessen Angebot sich mir aber nicht erschloss. Die Menschen zurückhaltend und freundlich, man bleibt als Europäer unbehelligt, man ist Touristen, Studenten und europäische Wissenschaftler gewohnt.

Am Abend Essen mit C., dann früh ins Bett und weiteren Schlaf nachholen.

Jerash, 30.11.12

Heute ist Freitag. . warnt mich, es sei alles geschlossen, ich solle mich zudem der Moschee fern halten. Nach dem Freitagsgebet soll zum eine Demonstration für den König stattfinden, die ich auch meiden solle. Also war der Tagesplan, vor Beginn des Mittagsgebetes in die archäologische Stätte zu gehen und den Tag dort weitestgehend zu verbringen. Der Weg dorthin führt fast unvermeidlich an der Moschee vorbei. Von all den Aufregungen war wenig zu sehen. Alles war wie am Vortag, auf die Demonstration wiesen nur handgemalte Transparente an den Zäunen entlang der Durchgangsstraße zwischen neuer und antiker Stadt hin. Auch zu hören war außer Autogehupe von der Demonstration nichts. Es scheint alles friedlich abgelaufen zu sein. Vom arabischen Frühling konnte ich bisher in Jordanien nichts erkennen. Das Land scheint, wenn es auch sicher gesellschaftliche und auch religiös motivierte Konflikte gibt, ein Stück weit in sich selbst zu ruhen. Dass ungefähr 60% der Bevölkerung Flüchtlinge aus Palästina (nunmehr in der dritten Generation), dem Irak und nunmehr auch Syrien sind, mag seinen Teil dazu beitragen. Das politische System füllen die einheimischen Volksstämme aus Arabern, Beduinen und bereits ab Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelten Tscherkessen (aus dem christlichen, zaristischen Russland vertriebene und geflohene Muslime) aus.

Die Tscherkessen waren auch die erste Siedler im modernen Jerash ab Beginn der 1900er Jahre, von denen noch wenige zeitgenössische Wohnhäuser verblieben sind, mir antiken Baumaterialien vomm Steinbruch gegenüber angereichert. Zuvor war das Tal über Jahrhunderte nicht dauerhaft besiedelt. Gleiches zeigt sich in Amman, auf dem Jebel Amman gab es entsprechende Siedlungen die im Zuge des explosionsartigen Bevölkerungswachstums ab den 1945/46er Jahren nunmehr modernen Wohn- und Bürobauten weichen mussten.

Doch zunächst zurück zu Jerash. Die Besichtigung der antiken Stätten vermag ich hier nur kurz zu beschreiben, die geschichtlichen Hintergründe sind in den Reiseführern und der wissenschaftlichen Literatur zu Genüge beschrieben. Imposant, aber von Straße und Parkplätzen eingezwängt ist der – außerhalb der antiken Stadt stehende – Hadriansbogen, nach Norden hin zieht sich die antike Stadt mit Forum (weitgehend erhaltene Säulenbegrenzung), Zeustempel, christlichen Kirchen, Hauptstraße, Geschäftshäuser und zwei Theatern hin. C. erklärte mir alles in bewährter und hinreichend kurzer Manier, die Stadt erschließt sich, auch durch ihren guten Erhaltungszustand, schnell. Neben Tempel und Kirchen wurde auch eine Synagoge durch Ausgrabung erschlossen, jedoch wieder – ob zur Konservierung oder aus politischen Gründen – zugeschüttet.

Nach einem interessanten Tag beendeten wir diesen wieder mit einem gemeinsamen Abendessen und ich machte mich auf den Weg in die neue Stadt, nicht ohne Anstrengung den Berg hinauf, zu meinem Zimmer.

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Hadriansbogen, Gerasa

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Tempel des Zeus, Gerasa

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Seitenstraße des Cardo, vom Forum ausgehend, Gerasa

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Theater, Gerasa

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