Rita Maria (Portugal), Carlos Bica (Portugal, Berlin), Elias Meister (N.Y.C., USA), Hanno Stick (Berlin) am 6.7.12 im Alten Finanzamt, Berlin (Neukölln)

Langsam, leise, zurückhaltend, so zumindest der Beginn. Dass nun aber gerade nicht die Jazz-Standards in den Vordergrund drängen, ist nach wenigen Takten erkennbar klar. Vielmehr ist es ein vorsichtiges, leichtes und leises herantasten einer gut abgestimmten, klar kommunizierenden und musikalisch harmonierenden Ensemble-Besetzung an ein, für mein Empfinden zunächst fürchterlich ernstes, erwartungsstarkes, aber in der altersbedingt zu erwartenden eigenen Unsicherheit verharrenden Publikums, das es zu gewinnen gilt, und das auch gewonnen wurde. Gerade Carlos Bica, der zusammen mit Elias Meister die Erfahrenheit im Umgang mit atmosphärischen Umgebungen souverän zeigte, stellte alleine durch sein unheimlich lockeres und doch konzentriertes Auftreten sicher, dass die (nicht vorhandene) Bühne der Band einen Mittelpunkt gab, aber im genau passenden Anteil der Person und Stimme Rita Marias die Grundlage, die die Herzen der ca. 60 im kleinen Kellerraum des Alten Finanzamtes in Berlin-Neukölln nicht erst dann gewann, als Songstruktur und Improvisation so verschmolzen als wäre nun nicht mehr die Struktur vorherrschend, und den Freiraum gab, spätestens als Gesangslinie und der im schwebenden Sound (im übrigen durch eine länger nicht mehr gesehene Ansammlung von Boss- und anderen Tretminen gestaltet) sich zum Wechselspiel und Duett trafen, die kleine Barriere zu den direkt zu Füssen der Band sitzenden jungen Leuten gebrochen wurde, die nicht nur zur portugiesische Community in Berlin gehörten, wenn auch das Gefühl eines Insider-Gigs im überhitzten Keller schwebte. Es folgten Songs mit klarer Konstruktion und bestimmter Freiheit, mit Eigenleben durch die v.a. von den Autoren Meister und Bica eingebrachten (Lebens-)Erfahrungen und die immer mutiger werdende, auch immer freier und zugleich fast eruptive und hierdurch freier werdende Stimme und Führung Rita Marias, die das ganze Spiel des Ensembles letztendlich zu einem wunderschönen, sehr entspannten Ganzen werden liesen. Und auch wenn die musikalische Heimat der Beteiligten hör- und fühlbar war, so zu einem wahren Hörerlebnis verschmolzen, so gab es doch keine musikalische Einschränkung hierdurch, sondern die Basis einer Freiheit, die nicht oft hörbar und fühlbar wird und ganz und gar nichts mit erkennbar absichtlichen Fusion-Konzepten zu tun hat. Danke für diesen schönen Abend.

Wer die Möglichkeit hat, Rita Maria, Carlos Bica und die anderen Beteiligten live erleben zu können: Hingehen. Hat mit Jazz auch nur am Rande zu tun. Auch für mich gilt: Man hört sich.

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Carlos Bica (cb.), Hanno Stick (perc.), Rita Maria (voc.), Elias Meister (git.)

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Carlos Bica

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