Fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn

Schlimm sind eigentlich nur die Geschwindigkeitsbegrunzungen. 110. 120. Über hunderte, gefühlte Kilometer. Krämpfe im (Gas-)Fuß, irgendwann im rechten Bein. Nicht wegen Bleifuß, sondern wegen der ungewohnten, dauerhaft angestrengten Haltung, die man nicht kennt, wenn man das Fahren in Deutschland mit Vollgas, Stop-and-go, linke Spur und gib ihm (eigentlich ihr, der Barchetta) gewohnt ist.

Richtig unangenehm war die Strecke von Clermont-Ferrand bis Bordeaux. Leere Autobahn, wie in Frankreich nun mal üblich – schon gar Samstag nachmittags, dann Regen, Dunkelheit, tiefstehende Wolken, viel Land, aber kein Meer in Sicht. Und das waren erst Kilometer 600 bis 800 von Weil am Rhein bei Portugal.

In Bordeaux dann Glück: Ein IBIS-Schild im Augenwinkel, vorbeihuschend. Noch besser, Etap neben dran. Einen Tipp wert: An der Bastide, gegenüber des Zentrums am anderen Ufer der Garonne. Modern, neu, üblicher Standard, gut, frei. Ok, ich mag die Accor-Hotels, wenn ich auf Durchreise bin.

Abfahrt in Bordeaux und – 150 Kilometer Tempo 110 bis zur spanischen Grenze. Autofahrers Hölle, was tut man nicht für die Natur. Die ist dort aber – von der Autobahn aus betrachtet, aber auch nicht schön. Was soll’s: Die Tour von San Sebastian bis Burgos ist Erhohlung pur. Kurvige, abwechslungsreiche Strecke, interessante Landschaft, schnelles fahren, gutes vorankommen.

Wir sind einfach drauflos gefahren. Vor dem losfahren mal kurz bei Google Earth die Strecke grob angeschaut, für unterwegs gibt es ja Schilder. Bei Burgos steht dann auch auf dem Richtungswegsweiser am Autobahnkreuz „Portugal“. Also sind wir richtig, weiter geht’s. Die tausend Kilometer sind nun auch schon lange vorbei, die Hälfte ist geschafft. Zwei, drei Stunden später dann Unsicherheit. Lange war kein Schild nach Portugal zu sehen, dafür steht nun wieder Madrid  ausgeschildert. Dass in Frankreich alle Straßen nach Paris führen, wissen wir. Die nach Rom sowieso. Aber 300 Kilometer vor der portugiesischen Grenze liegt Madrid geradeaus wieder näher ? Ein Zwischenstopp an einer Tankstelle – ohne zu tanken – klärt uns auf. Portugal gerade aus. Man kann nach Schildern, ohne Karte dort hinfahren. Wir kommen!

Pausen haben wir seit Weil am Rhein und Bordeaux eigentlich keine. Wie fahren, wir haben einen Termin. Also alle 400 km tanken, das Auto voll, die Blase leer, einen Kaffee. Und weiter.

Nach Santarem dann kurz von der Autobahn herunter. Wir sind nun acht Stunden seit Bordeaux unterwegs. Tankstelle, Bar, Käse-Sandwich (frisch gehobelt). Und weiter.

Endlich Portugal. Die Weite des spanischen Hochlandes wird durch grünes, bergiges, bewohntes Land getauscht. Wieder Zivilisation, wieder Autofahren. Nach 500 km Tempo 120 nun endlich bergab, bergauf, ein Genuss. Bei 140 überholt uns ein LKW mit 160. Noch anderthalb Stunden bis Aveiro. Dort sind wir mit einer Freundin aus Rom verabredet. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Wir sind pünktlich. Nach 2100 Kilometern in zwei Tagen, fast auf die Minute angekommen. Nach zwei, drei Super Bock, leckeren Essen, sitzen und drinken auf dem Platz vor dem Mercade do peixe, sind wir da. Angekommen.

 

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